Aus der Landestagung KVJS: Bundesqualitätsgesetz

01.03.2017

Frau Petiliot-Becker, als Referatsleiterin aus dem Kultusministerium zuständig für Kindertagesbetreuung, berichtete über Beratungen über ein Qualitätsentwicklungsgesetz auf Bundesebene. Die regelmäßig fließenden Bundesmittel sollen unter dem Blickwinkel der Qualitätsentwicklung erhöht werden. Bei der Umsetzung können die Länder eigene Schwerpunkte setzen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Land die eigene finanzielle Verantwortlichkeit unter Hinweis auf Bundesmittel nicht einschränkt. Die Befürchtung, bundesweite Qualitätsstandards würden zu einer Nivellierung der Rahmenbedingungen führen (z.Bsp. 15 Kinder in der Krippengruppe) scheint sich dank des ausgeprägten Selbstbewusstseins der Länder nicht zu bewahrheiten.

Und natürlich bleibt auch zu hoffen, dass die Autonomie der freien Träger nicht gefährdet wird.

aus der Landestagung KVJS : Leitungsfreistellung

Das Publikum bestand ganz überwiegend aus Vertreter der kommunalen Fachbehörden und es war überraschend, dass aus diesen Reihen die Nachfrage nach dem Stand der Einführung einer verpflichtenden Leitungszeit im Mindestpersonalschlüssel aufkam. Frau Petiliot-Becker hatte nämlich bei ihrem Bericht über aktuelle Vorhaben der Landesregierung über diese schon lang bestehende Forderung geschwiegen.

Aus fachlicher Sicht wird die verpflichtende Einführung von Leitungszeit von KVJS sowie Städte- und Gemeindetag, natürlich auch von den Trägerverbänden, schon seit langem befürwortet und gefordert. Ob sich die Landesregierung zu einer Finanzierung durch Aufstockung der Finanzmittel entschließen wird? Frau Petiliot-Becker jedenfalls zeigte bei der Antwort ihre politische Professionalität und so war am Ende der Tagung niemand klüger…

Aus der Landestagung KVJS : demographischer Wandel

Spannend war der Vortrag zu einer aktuellen Studie über den demographischen Wandel. Bedingt durch die seit vielen Jahren konstante Zuwanderung nach BW wird es in absehbarer Zeit keinen Rückgang der Kinderzahlen geben, jedoch einen steigenden Bedarf am qualitativen Ausbau. (Sprachförderung, soziale Integration, Betreuungszeiten, Angebote für Familien) Daher müssten ab sofort mehr finanzielle Mittel in den Kinder- und Jugendhilfebereich fließen. Ab 2020 zeichnen sich durch den steigenden Anteil der älteren Generation Verteilungskämpfe bei der Verteilung der staatlichen Ressourcen ab. Dadurch entsteht ein jetzt verbleibendes Zeitfenster für die Stärkung des Jugendhilfebereichs.

Dies mache, so Dr.Bürger vom KVJS,  auch Sinn für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Wenn der  potentiell (wirtschaftlich) produktive Teil der Bevölkerung zurückgeht, muss der tatsächlich produktive Anteil erhöht werden. Dazu zählen auch die Familien – und was macht Familien bereit, auch tatsächlich produktiv im wirtschaftlichen Sinn zu werden? Nur die Überzeugung, dass es der Familie gut geht, das heißt den Kindern gut geht. Und das gelingt nur durch eine sehr hohe Qualität in der Kindertagesbetreuung.

Eine interessante These, über die wir nachdenken können. Das Urteil darüber, ob sich die Kinder wohlfühlen, liegt weder beim Staat noch bei der Wirtschaft oder der Pädagogik, sondern allein bei den Eltern.

Ein anderer Aspekt ist die aktuelle Situation vor Ort. Die kommunalen Entscheidungsträger tragen allzu oft eine Schuldenbremsenbrille und titulieren die Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe mitunter als „Subvention“.

Vortrag von Dr.Bürger zu diesem Thema: https://www.youtube.com/watch?v=EpfmMGjcKas

die Studie: http://www.kvjs.de/fileadmin/publikationen/jugend/2010-Bericht-Juhi-Demografie.pdf

Landestagung KVJS

weitere Unterlagen zu den Themen Personalentwicklung, demographischer Wandel und Prozessschritte der Bedarfsplanung können bei Werner Meyer angefordert werden

Neue Kinderbetreuungsfinanzierung aus Bundesmittel

01.03.2017

Viele von Ihnen kennen bestimmt die Zuschüsse aus Bundesmitteln für Krippen Um- und Neubauten, die von den Regierungspräsidien vergeben werden.

Nun hat die Bundesregierung beschlossen, ein viertes Investitionsprogramm auf den Weg zu bringen, mit dem erstmals auch Ü3-Plätze bezuschusst werden können.

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/12/2016-12-14-kitaausbau.html

Gegenwärtig läuft die Verteilung der dritten Tranche, die schon ziemlich ausgeschöpft sein soll, wie aus dem RP Stuttgart zu hören ist.

Wenn Sie Pläne für die Errichtung neuer Gruppen haben, kann es kein Fehler sein, rechtzeitig mit dem zuständigen RP Kontakt aufzunehmen. Es ist damit zu rechnen, dass Anträge, die in der dritten Tranche leer ausgehen, bevorzugt mit den in 2017 zu erwartenden Mittel bedacht werden.

Projekte, die ab 01.07.2016 begonnen wurden, sollen berücksichtigt werden können.

Nach welchen Kriterien die Fördermittel vergeben werden – vor allem um Ü3-Bereich und für Qualitätsaspekte –bleibt abzuwarten. Derzeit wird auf Bundesebene über die entsprechende Gesetzgebung beraten, bevor das Land eine neue Verwaltungsvorschrift erlässt.

PC-Sicherheit: Erpressungstrojaner in Bewerbungsmails auch in Kindertageseinrichtungen

01.03.2017

Seit einigen Wochen gibt es eine gefährliche neue Variante von „Phishing“-mails. Uns sind zwei Einrichtungen bekannt, deren PC von einem Trojaner befallen wurde, weil die Anlage einer Antwort auf ein Stellenangebot geöffnet wurde. Es gibt schon Varianten, bei denen der im Stellenangebot genannte Ansprechpartner genannt wird.

Die schädliche Software ist versteckt in Office-Dateien, bei denen der Trojaner über Makros tätig wird. Und schon sind Ihre Daten (auch auf Laufwerken) verschlüsselt. Die Aufforderung, ein Lösegeld zu zahlen, um die Daten zu entschlüsseln, lässt dann nicht lang auf sich warten!  Makros in Office-Programmen sollten Sie grundsätzlich deaktiviert haben, und Aufforderungen, irgendwelche Funktionen freizugeben, bei Dateien zweifelhaften Ursprungs ignorieren!

Wenns doch passiert ist: Geld sollten Sie dann nicht den Erpressern hinterherwerfen, sondern besser in einen guten IT-Spezialisten investieren, der im Notfall den PC retten kann.

PDF-Dateien sind (bisher jedenfalls) nicht betroffen.

Um ganz sicher zu gehen kann man auch eine Antwort an den Absender der mail schreiben (sicherheitshalber dabei nicht auf „Antworten“ klicken) und ihn um Bestätigung bitten, möglichst telefonisch oder mit Angabe einer Rückrufnummer. Dann stellt sich schnell heraus, ob Sie es wirklich mit potentiellen neuen KollegInnen zu tun haben, oder nicht.

Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrung: Finanzierungsfragen

21.12.2016

Auch Kinder aus Familien mit Fluchterfahrung haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung, ebenso einen Anspruch auf Ausübung des Wunsch- und Wahlrechts. Der Elternbeitrag wird, wie für andere Familien auch, bei Bedarf von den örtlichen Jugendämtern übernommen. Ein Verfahren, das wir alle kennen – allerdings wird von den meisten Jugendämtern nur der ortsübliche Elternbeitrag geleistet und nicht der volle „Waldorf-Beitrag“ übernommen.

Der Bedarf ist örtlich sehr unterschiedlich, vor allem aber wegen des zu erwartenden Familiennachzugs nicht vorhersehbar. Die Bereitschaft zur Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrung sollte dabei nicht von wirtschaftlichen Zwängen abhängig sein.

Daher ist zu empfehlen, vor Aufnahme dieser Kinder in Kontakt mit dem Jugendamt zu treten und auf eine Übernahme der vollen Elternbeiträge hinzuwirken. Alternativ kann auch die Kommune angesprochen werden.

Uns ist ein Fall bekannt, bei dem das Jugendamt zunächst den vollen Elternbeitrag übernommen hat. Als dann ein Platz in einer kommunalen Einrichtung frei wurde, sollte das Kind dorthin wechseln, um die Kosten für das Jugendamt zu senken.

Natürlich setzt der betroffene Waldorfkindergarten dieses Kind nachdem es sich gerade eingewöhnen konnte nicht vor die Tür – aber für eine kleine eingruppige Einrichtung, die nicht wirklich gut bezuschusst wird, müssen die finanziellen Auswirkungen erst einmal aufgefangen werden können.

Überbelegung der Gruppen für Kinder mit Fluchterfahrung

21.12.2016

Vor einigen Tagen erhielten die Trägerverbände Post aus dem Kultusministerium. Es gibt eine Verwaltungsvereinfachung, wonach die Ü3-Gruppen (ohne AM) für die Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrung mit bis zu zwei Plätzen überbelegt werden können. Das heißt: 22 Kind in GT-Gruppen, 27 in VÖ-Gruppen.

Siehe:

www.km-bw.de/,Lde/Startseite/Service/12_12_2016+Kita+Gruppengroesse/?LISTPAGE=131491

Positiv ist zu vermerken, dass dies erst möglich ist, wenn in allen Gruppen eines Trägers keine Aufnahmemöglichkeiten mehr bestehen und dass eine „weitere geeignete Kraft“ beschäftigt werden muss.

Es gibt nicht wenige Waldorfeinrichtungen, die sich mit Engagement der Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrung annehmen und versuchen, dem örtlich ganz unterschiedlichen Bedarf der Familien mit Fluchterfahrung zu entsprechen. Dabei ist uns allen deutlich, dass dies eine anspruchsvolle und und kräftezehrende Aufgabe darstellt.

Wäre es da nicht besser, wenn für die Aufnahme dieser Kinder die Gruppenstärke vermindert werden könnte?

Dazu die GEW :

www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/integration-erfordert-kleinere-gruppen-nicht-groessere/